Digital8 ist ein Zwitterformat, das gleich zwei Abnutzungstypen von seinen Vorläufern geerbt hat. Das Magnetbandmaterial ist das altbekannte Metallpartikel-Band (MP), wie es auch bei Hi8 und Video8 zum Einsatz kam. Folglich leidet es unter der gleichen schleichenden Metallpartikel-Oxidation, die Hi8-Bänder über die Jahre hinweg langsam aber sicher zersetzt. Die winzigen Metallkörner rosten buchstäblich über Jahrzehnte hinweg, was mikroskopische Defekte auf der magnetischen Oberfläche zur Folge hat.
Jedoch nimmt Digital8 – analog zu Mini-DV – rein digital auf. Statt des klassischen analogen Bildrauschens, wie es bei Hi8-Kassetten auftritt, offenbart Digital8 seine Schwächen durch digitale Dropouts: kurze Stillstandbilder, pixelige Mosaikfehler, urplötzliche Schwarzbilder oder gar einen kompletten Signalverlust. Bereits ein einzelnes oxidiertes Korn auf dem Band kann ausreichen, um so viele Binärdaten zu löschen, dass ein sichtbarer Fehler im fertigen Video entsteht. Die Kombination aus Metallpartikel-Oxidation UND digitaler Anfälligkeit macht Digital8 ungewöhnlich sensibel für altersbedingten Verfall.
Eine weitere Herausforderung ist die Seltenheit von Digital8-Camcordern heuer. Sony stellte die Produktion schon im Jänner 2007 ein, und nur wenige Exemplare haben die Zeit in einem einwandfreien Zustand überdauert. Ein portabler Sony GV-D200-Player, das einzige dedizierte Digital8-Wiedergabegerät, das Sony je fertigte, erzielt auf eBay, sofern funktionsfähig, Preise zwischen 400 und 1.000 €. Viele Digitalisierungsdienstleister besitzen gar kein solches Gerät. Entweder lehnen sie Digital8-Bänder kategorisch ab, oder sie versuchen, diese in Hi8-Camcordern abzuspielen – die das digitale Signal aber gar nicht auslesen können.
Das vierte gravierende Problem betrifft die FireWire-Erfassung (IEEE 1394). Moderne Computer sind zumeist ohne FireWire-Anschlüsse konzipiert, und die erhältlichen FireWire-auf-USB-Adapter erweisen sich oft als unzuverlässig. Für eine makellose Digital8-Überspielung ist ein älterer Rechner mit einem nativen FireWire-Anschluss sowie die passende Treibersoftware für das jeweilige Sony-Deck oder den Camcorder unabdingbar.