U-matic-Videokassetten aus den prägenden Jahrzehnten der 70er und 80er sind besonders anfällig für das berüchtigte 'Sticky Shed Syndrom', eine Degradationsform, die kaum ein anderes Consumer- oder Profi-Format so stark betrifft. Das von Herstellern wie Sony, Maxell, Ampex und 3M verwendete Polyurethan-Bindemittel im Bandmaterial beginnt bei Kontakt mit Luftfeuchtigkeit zu zerfallen – ein Prozess, der als Hydrolyse bekannt ist. Die Folge ist ein klebriges, zähes Band, dessen magnetische Oxidschicht sich von der stabilen Polyesterbasis löst. Ein Abspielversuch einer solchen Kassette auf einem unvorbereiteten Gerät führt unweigerlich zu verklebten Videoköpfen, einer Kontamination des Laufwerks und kann das Band dauerhaft unbrauchbar machen.
Das zweitgrößte Problem stellt Schimmelbefall dar. U-matic-Bänder waren in vielen Institutionen wie dem ORF, großen Firmen-AV-Abteilungen oder Staatsarchiven weit verbreitet, oft unter suboptimalen Lagerbedingungen. Es ist keine Seltenheit, dass Bänder, die 30 bis 40 Jänner in feuchten Kellern in Wien-Ottakring oder ungeheizten Dachböden in Grazer Altbauwohnungen schlummerten, mit sichtbarem Schimmel zu uns kommen. Dieser sieht nicht nur unschön aus, sondern setzt beim Abspielen auch Sporen frei, die die empfindlichen Wiedergabeköpfe verunreinigen und ein Deck für Stunden außer Gefecht setzen können.
Drittens: Die Verfügbarkeit der passenden Abspielgeräte schwindet zusehends. Sony hat die Produktion von U-matic-Decks bereits in den 1990er Jahren eingestellt. Funktionstüchtige Broadcast-Rekorder (Modelle wie BVU-950, VO-9800er Serie) werden heuer auf dem Gebrauchtmarkt in Österreich zu Preisen zwischen 1.500 und 5.000 Euro gehandelt, und die Anzahl dieser Geräte nimmt stetig ab. Abnutzung der Videoköpfe, bröselnde Capstan-Rollen und der Mangel an Ersatzteilen machen die Wartung extrem schwierig. Die meisten Digitalisierungsdienste verfügen weder über die notwendige Ausrüstung noch über das spezifische Know-how.
Zuletzt die Variantenvielfalt: U-matic existierte in drei untereinander inkompatiblen Versionen – Lo-Band (das Original von 1971), Hi-Band (die höherwertige Profi-Variante ab 1974) und U-matic SP (die Broadcast-Spezialversion ab 1986). Eine Hi-Band-Kassette auf einem Lo-Band-Deck abzuspielen, führt zu einem stark verzerrten Bild. Viele Anbieter sind sich dieser feinen, aber entscheidenden Unterschiede gar nicht bewusst.