Wer kennt es nicht? Alte Fotoalben, oft über Jänner hinweg im Kellerabteil oder auf dem Dachboden gelagert, kämpfen mit ganz eigenen Problemen, die über jene einzelner Abzüge hinausgehen. Ein Hauptübel ist der aggressive Kleber. Viele Alben aus den 70er- und 80er-Jahren, oft als „Magnetalben“ bekannt, nutzten eine transparente Folie über einer klebrigen Unterlage. Dieser Klebstoff, ursprünglich für temporären Halt gedacht, wurde heuer über die Jahrzehnte hinweg zur Falle: Wer ein Foto lösen will, riskiert, die Rückseite abzureißen, klebrige Rückstände zu hinterlassen oder die Oberfläche unwiederbringlich zu beschädigen.
Ein weiteres Problem ist die schleichende Versäuerung des Papiers. Günstige Albumseiten, oft aus holzhaltigem Material gefertigt, setzen Lignin frei – eine natürliche Säure, die im Laufe der Zeit die Seiten vergilben und brüchig werden lässt. Diese säurehaltigen Dämpfe greifen die eingelagerten Fotos an, was sich oft als unschöner „Geisterabdruck“ auf der Rückseite der Bilder zeigt, genau dort, wo sie den Seiten auflagen.
Die Bindung selbst ist ein drittes Sorgenkind. Ob geklebt, geheftet oder mit Pfosten versehen – die Albumstrukturen geben nach Jahrzehnten des Gebrauchs und der Lagerung nach. Seiten fallen heraus, wertvolle Aufnahmen rutschen aus ihren Fächern, und das Durchblättern wird zur Zitterpartie, um ja keine weiteren Schäden zu verursachen. Selbst der Versuch, ein solches fragiles Erbstück daheim mit einem normalen Flachbettscanner zu digitalisieren, kann irreparablen Schaden anrichten.
Und dann wären da noch die handschriftlichen Bildunterschriften. Diese kleinen Geschichten, Daten oder Namen, liebevoll neben den Bildern verewigt, sind oft das Herzstück der Erinnerungen. Sie erzählen, wer oder was auf den Fotos zu sehen ist und geben den Aufnahmen ihren Kontext. Leider verblassen Bleistiftnotizen bis zur Unleserlichkeit, und Kugelschreibertinte kann verlaufen oder oxidieren. Viele Digitalisierungsanbieter übersehen diese kostbaren Details komplett und scannen nur die Bilder.