Die Mikro-Kassette gilt als das anfälligste Massen-Audioformat, das je produziert wurde. Obwohl das Band wie bei Standardkassetten 3,81 mm breit ist, besticht es durch seine extreme Dünnheit – bei MC-120 Langspielkassetten mitunter nur sechs Mikrometer. Dieses hauchdünne Bandmaterial ist besonders anfällig für Dehnung, Verheddern und Risse, weit mehr als man es von herkömmlichen Kassetten kennt.
Ein wesentliches Problem liegt im Band selbst. Mikro-Kassetten wurden ursprünglich als Wegwerfprodukt konzipiert – ideal für Anrufbeantworter, bei denen Nachrichten schnell aufgenommen und wieder überspielt wurden. Entsprechend wurde bei der Fertigung auf maximale Kosteneffizienz geachtet: eine dünnere Oxidschicht, günstigere Bindemittel und eine bis an die Belastungsgrenze beanspruchte Basisfolie. Nach drei bis fünf Jahrzehnten lösen sich diese Komponenten allmählich auf, was zu abblätterndem Oxid, Versagen des Bindemittels und dauerhaften Verformungen der Basisfolie führt, die sich als unerwünschte Tonhöhenschwankungen bemerkbar machen.
Ein weiteres Hindernis ist die außergewöhnlich niedrige Aufnahmegeschwindigkeit. Im Normalbetrieb zeichnen Mikro-Kassetten mit lediglich 1,2 cm/s auf, im Langspielmodus sogar nur mit 0,6 cm/s. Das ist vier- bis achtmal langsamer als bei gewöhnlichen Audiokassetten. Diese geringere Geschwindigkeit bedeutet nicht nur eine reduzierte Audioqualität, sondern macht die Aufnahmen auch extrem anfällig für jegliche Bandfehler. Schon ein winziger Oxid-Aussetzer, der bei einer normalen Kassettengeschwindigkeit kaum auffallen würde, manifestiert sich bei Mikro-Kassetten als deutlich hörbare Klanglücke.
Zusätzlich belastet der sogenannte Anrufbeantworter-Verschleiß viele Mikro-Kassetten. Millionen von Kassetten dienten in Anrufbeantwortern, wobei dieselben 30-Sekunden-Passagen Hunderte, ja Tausende Male besprochen und gelöscht wurden. Diese exzessive Nutzung reibt die Oxidschicht an den am häufigsten genutzten Stellen ab, wodurch dauerhafte dünne Bereiche entstehen, die zu Aussetzern führen.
Nicht zuletzt spielt die Geräteknappheit eine große Rolle. Olympus hat die Produktion von Mikro-Kassetten-Rekordern bereits in den frühen 2010er-Jahren eingestellt; Sony und Panasonic waren sogar noch früher dran. Die filigranen Mechaniken in diesen Geräten sind anfällig für altersbedingten Verschleiß: Riemen zerfallen, Zahnräder brechen, und Tonköpfe korrodieren. Einen noch funktionstüchtigen Olympus Pearlcorder oder ein Sony M-Modell zu finden, gleicht heuer einem wahren Glücksgriff.