Fotografische Negative, oft die Hüter unserer Vergangenheit, bestehen aus einer biegsamen Kunststoffunterlage, auf der eine lichtempfindliche Emulsion die Aufnahme festhält. Die Materialbasis dieser Unterlage hat sich über die Jahrzehnte hinweg verändert: Vor 1950 fand man oft Zellulosenitrat – ein Material, das nicht nur leicht brennbar ist, sondern auch zu einer braunen, klebrigen Masse zerfällt. Negative aus den 1950er bis in die 1990er Jahre hinein bestehen häufig aus Zellulose-Acetat. Dieses leidet leider unter dem bekannten Essigsäuresyndrom, einer chemischen Zersetzung, die wir auch von alten 8mm-Filmen kennen. Erst ab den 1990ern kam Polyester zum Einsatz, welches sich als deutlich beständiger erwies.
Doch der häufigste Verfall bei Familien-Negativen ist das Verblassen der Farbstoffe. Farbnegativfilme speichern das Bild als Farbstoffkuppler in Cyan, Magenta und Gelb – quasi das Gegenstück dessen, was später am Abzug sichtbar wird. Über die Jahre hinweg verblassen diese Farbstoffe, wobei die Cyan-Schicht oft als Erste leidet. Das Ergebnis ist eine markante Farbverschiebung, die sich bei einem erneuten Abzug noch verstärken kann: Ein Originalabzug mag einst noch farbtreu gewirkt haben, doch ein heutiger Nachdruck desselben Negativs würde einen starken Magentastich aufweisen.
Schwarzweiß-Negative zeigen sich da widerstandsfähiger, da das Bild hier durch feinste Silberpartikel, nicht durch Farbstoffe, gebildet wird. Trotzdem kann auch Silber langsam oxidieren, vor allem in Umgebungen mit schwefelhaltiger Luft. SW-Negative aus den frühen 1900ern bis in die 1950er sind oft an charakteristischen braunen Flecken und einer leichten Gesamtvergilbung zu erkennen.
Ein drittes, weitverbreitetes Problem ist die physische Schädigung. Negative sind extrem empfindlich: schnell verkratzt, sie können sich in trockener Umgebung unangenehm wellen oder in feuchter Lagerung aneinanderkleben. Viele wertvolle Familien-Negative überdauerten Jahrzehnte in billigen Umschlägen aus dem Supermarkt oder ungeeigneten Alben in einem feuchten Kellerabteil im Wiener Gemeindebau oder auf einem Dachboden in Graz, die weder säurefrei noch archivtauglich waren, und sammelten dabei Staub, Kratzer und sogar chemische Schäden von den Hüllen selbst an.